Duo Naturton
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Alphorn und Naturtongeschichte

Seit Menschengedenken wurden hohle Knochen und Hörner von Tieren, oder z.B in Australien hohle Baumstämme dazu benutzt, Töne zu erzeugen. Bis ins 15. Jahrhundert baute man nur Naturinstrumente. Das Alphorn ist somit ein Naturinstrument aus frühen Zeiten, das die Entwicklung zum wohltemperierten Instrument nicht mitgemacht hat. Verschiedenste Formen von "Alphörnern" aus Holz und Metall waren ursprünglich in allen Alpenländern gleichermassen vertreten. Sie dienten vorwiegend als Signalinstrumente. Hirten b rauchten sie um auf den Alpweiden das Vieh anzulocken und im Winter als Bettelinstrument in den Städten. In der Schweiz führen die ältesten Aufzeichnungen über das Alphornspiel auf das Jahr 1527 zurück. 1805 fand auf der Unspunnen-Wiese in Interlaken ein Hirtenfest zu Ehren des Alphornes statt. Die dafür geprägte Erinnerungsmedaille zeigt - wie alle alten Abbildungen - relativ kurze Alphörner, oder eben sogenannte Hirtenhörner. Seit dieser Zeit haben in der Schweiz auch amtliche Stellen mitgeholfen, das Alphornspiel zu verbreiten und aus dem Hirteninstrument ein nationales Symbol für unser Land zu schaffen. Einen grossen Aufschwung hat das heute meistverbreitete 3,35 m lange Alphorn in Fis erst im 20. Jahrhundert erfahren. Qualitativ gute Hörner von spezialisierten Alphornbauern haben mehrstimmiges Spielen ( ab ca.1940) ermöglicht. Seit einem Vierteljahrhundert hat nun das Naturtoninstrument seinen festen Platz in der Konzert- und Kirchenmusik sowie auch im Rock und Jazz. Zu Alphorn und Jazz siehe auch  www.ethnomics.ch 

Mehr über das Alphorn erfahren Sie unter www.alphornbau.ch von Christian Schneider, Alphornbauer in Illnau, oder im Buch "Das Alphorn, vom Lock- zum Rockinstrument" von Brigitte Bachmann-Geiser sowie im Buch „Alphorn und Hirtenhorn in Europa“ von Franz Schüssele, www.alphorn-center.de.

Unter www.alphornatelier.ch ist alles zu finden was der Musiker Fritz Frautschi in Schönried an Alphornutensilien anzubieten hat.

Naturtöne!

Auf den Horninstrumenten ohne Ventile können "nur" die eigentlichen Naturtöne gespielt werden. Der Abstand zwischen den Naturtönen in der Skala der Naturtonleiter ist physikalisch konstant, wird jedoch nach oben logarithmisch immer enger. Die ersten beiden Naturtöne von unten stehen eine ganze Oktav auseinander, der zweite und dritte steht im Quintabstand, der dritte zum vierten im Quartabstand usw.

Diese Naturtöne, auch Obertöne genannt, haben eine lange Tradition, denn sie werden seit Jahrhunderten von Naturvölkern der ganzen Welt in ihrer ethnischen Musik verwendet.

Bekannt ist uns heute in der Musik der westlichen Welt die sogenannte temperierte Stimmung (chromatische Tonleiter, mit 12 Tonschritten pro Oktav), welche von Johann Loriti im 16. Jahrhundert und Werkmeister um 1700 (für das Klavier) geschaffen und von J.S. Bach als ersten grossen Komponisten verwendet wurde. Die grösste Differenz von der temperierten Stimmung zur Naturtonleiter ist das "Fa". Mit Fa wird beim Alphorn der 11. Naturton bezeichnet, der zwischen den Tönen f und fis liegt.

Damit das Alphornspiel in der Schweiz für unsere Ohren nicht als "falsch" empfunden wird, hat der Eidg. Jodlerverband (1910) www.jodlerverband.ch ihren Mitgliedern lange Zeit empfohlen, die von der temperierten Stimmung abweichenden Töne wie z.B. das Alphorn-Fa zu meiden. Das Fa sowie auch das "b" wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von den meisten Alphornmusikkomponisten gemieden. Hansjörg Sommer www.alphornmusik.ch hat dann allerdings vor 20 Jahren das Eis gebrochen und die wunderschöne Melodie "Moosruf" geschrieben wo dieses b und Fa, und somit die wirklich alte, traditionelle Musik, zum klingen kommt. Mit der Verwendung dieser Töne wird nun das Alphorn wieder zum eigentlichen Naturtoninstrument.


Alphornkurs 2003 vor dem Zerfreilahorn in Vals unter der Leitung von
Robert Morgenthaler, Priska Walss und Nick Gutersohn, Zürich.